Die St.Galler Stadtwerke beliefern unsere Stadt unter anderem mit Trinkwasser, Wärme und Gas. Patrick Flammer ist Bereichsleiter WGW (Wasser, Gas und Wärme) und Mitglied der Geschäftsleitung. Aktuell steht vor allem die Fernwärme im Rampenlicht: Ab 2050 soll gemäss dem städtischen Energiekonzept 50 Prozent des Bedarfs an Raumwärme und Warmwasser durch Fernwärme gedeckt werden.
Was inspiriert und motiviert Sie bei der Arbeit?
Mit den zukunftsträchtigen und spannenden Projekten, die ich mit meinem Team entwickle und umsetze, sowie meinen Tätigkeiten als Geschäftsleitungsmitglied der Regionalen Wasserversorgung St.Gallen (RWSG) und bei den St.Galler Stadtwerken (sgsw) ist mein Job einer der abwechslungsreichsten überhaupt. Mir liegen zudem meine Mitarbeitenden am Herzen – sie sind die wichtigste Ressource eines Unternehmens. Ich möchte mein Team motivieren und inspirieren, indem ich die Arbeit als sinnvolle Tätigkeit betrachte, die auch Spass machen darf! Dies habe ich vor allem während meiner Arbeit im Ausland erfahren. In Irland, wo ich vier Jahre lebte, gehören Sprüche zum Arbeitsalltag – ich bin damit hier bestimmt schon in das eine oder andere Fettnäpfchen getreten (lacht).
Wasser und vor allem Gas stehen international und national als begehrte Ressourcen im Fokus. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?
Erfreulicherweise ist die Stadt St.Gallen mit der Wasserressource Bodensee nicht so stark von Trockenheit betroffen wie andere Regionen. Aber damit wir unsere Arbeit machen können, ist es wichtig, unsere Anlagen auch bei einer Strommangellage weiter betreiben zu können. Beim Gas haben uns die knapperen Mengen und die damit verbundene Preissteigerung beschäftigt. Positiv ist in einer solchen Situation sicher, dass der Ausbau der Fernwärmeversorgung in St.Gallen bereits weit fortgeschritten ist. Sowohl beim Gas als auch beim Wasser haben wir eine Mangellage simuliert und entsprechende Lücken geschlossen. Im Ernstfall könnten wir auf eine zyklische Stromabschaltung reagieren.
Seit 2019 ist Patrick Flammer bei den sgsw als Geschäftsleitungsmitglied für den Bereich Wasser, Gas und Wärme verantwortlich. Neben der Trinkwasserversorgung und der Versorgung mit Gas fällt der Fernwärmeausbau in sein Aufgabengebiet.
Bevor Patrick Flammer zu den sgsw stiess, verantwortete er bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) den Vertrieb des Energiecontractings. Mehrere Jahre lebte Flammer in Irland, wo er als Market Development Manager und Leiter Technik für den liechtensteinischen Werkzeughersteller Hilti tätig war. In dieser Funktion reiste er geschäftlich in den Mittleren Osten, nach Südafrika oder Nord- und Südamerika. Der 52-Jährige lebt mit seiner Familie in Niederhelfenschwil, wo er aufgewachsen ist. Seine Freizeit verbringt er mit der Familie, hört Musik oder macht Sport – am liebsten draussen in der Natur. Schwimmen, Snowboard oder Mountainbike fahren gehören zu seinen Hobbys.
Stichwort Fernwärme: Diese gilt als wichtiger Eckpfeiler im Energiekonzept 2050 der Stadt St.Gallen. Was ist die Superkraft von Fernwärme?
Bei der Fernwärme nutzt man Abwärme aus der Kehrichtverbrennung und verzichtet weitgehend auf fossile Brennstoffe. Fernwärme reduziert den C02-Ausstoss und trägt so dazu bei, dass die Wärmeversorgung klimaneutral wird. Da es in der Liegenschaft keine Zentralheizung mehr braucht, spart man Platz und Wartungskosten. Inzwischen sind fast 20 Prozent der St.Galler Haushalte mit Fernwärme versorgt – bei einem derart grossen Netz ist es nun entscheidend, die Fernwärme ökologisch und ökonomisch weiterzuentwickeln. Die Superkraft der St.Galler Fernwärme liegt deshalb mittlerweile bei unserem Fachpersonal, das sich täglich mit der Technologie auseinandersetzt. Besonders stolz bin ich, dass mein Team einen «Leader Digital Award» gewonnen hat: Mit ihrem Projekt optimieren sie die Fernwärmeproduktion, indem sie einen automatisierten Betrieb von Fernwärmezentralen ermöglichen.
Die Superkraft der St.Galler Fernwärme liegt bei unserem Fachpersonal, das sich täglich mit der Technologie auseinandersetzt.
Was entgegnen Sie der Kritik, Fernwärme sei Greenwashing, da Kehrichtverbrennungsöfen CO2-Schleudern sind?
Indem wir das nutzen, was sowieso aus der Kehrichtverbrennung entsteht, können wir gleichzeitig Strom und Wärme produzieren. Keine Technologie ist gänzlich von Schadstoffen befreit. Ausserdem sind die Rauchgasfilter, die bei der Verbrennung des Kehrichts den Schmutz zurückhalten, inzwischen weit entwickelt. Die entscheidende Frage, die sich bei der Kritik stellt: Was machen wir mit Abfall, wenn nicht verbrennen? Und nutzen wir die Wärme aus der Verbrennung nicht, verpufft sie. Deshalb möchten wir den Ausbau der Fernwärme in St.Gallen weiter vorantreiben. Voraussichtlich im November 2023 befindet die städtische Stimmbevölkerung darüber, ob die gesamte Talsohle der Stadt mit Ausnahme von Winkeln damit erschlossen werden soll.
Welche Projekte beschäftigen Sie neben dem Ausbau der Fernwärme?
Fachlich beschäftigen mich die beiden Zukunftsprojekte Trinkwasserversorgung in Not- und Mangellagen und der strategische Abgleich zwischen dem Fernwärme- und dem Gasnetz in der Stadt St.Gallen. In Goldach ist für das Jahr 2030 aus Gründen der Versorgungssicherheit ein zweites Seewasserwerk für die Trinkwasserversorgung in St.Gallen geplant. Zudem wird die Gasversorgung umstrukturiert Und bei einem Wechsel auf Fernwärme müssen viele Leitungen gebaut werden.
Seit meinem Arbeitsbeginn bei den sgsw fordert mich auch die Umsetzung einer zeitgemässen Arbeitskultur: Ich führe ein motiviertes Team mit fast 80 Menschen, deren Stärken ich fördern möchte. Unsere Mitarbeitenden sind an unterschiedlichen Standorten in der Stadt tätig und kommen selten alle zusammen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns an gemeinsamen Anlässen austauschen. Wenn das im Büro nicht möglich ist, gehe ich auch mal persönlich auf einer Baustelle vorbei.
Mir liegen meine Mitarbeitenden am Herzen – sie sind die wichtigste Ressource eines Unternehmens.
