Emin Basic kennt St.Gallens Datenwege wie andere Strassenkarten. Der Ressortleiter Leitungsprojekte Netz Telecom der St.Galler Stadtwerke plant zusammen mit seinem Team den Neu- und Umbau des städtischen Glasfasernetzes. Was für viele abstrakt tönt, ist für ihn ein Handwerk, das die Stadt auch künftig zuverlässig verbindet.
Emin Basic schaut von seinem Bildschirm hoch, direkt auf die gegenüberliegende Wand. Dort bleibt sein Blick für einen kurzen Moment an den beiden grossen Plakaten hängen. Das eine trägt die Überschrift «Passive optische Netze (PON)», das andere «Funktionsprinzip von OTDR-Messungen», darunter finden sich Diagramme, Fachbegriffe und viele Linien. Für Laien wirkt dies wie ein Wirrwarr aus Zahlen und Zeichen, für den Ressortleiter Leitungsprojekte Netz Telecom der St.Galler Stadtwerke (sgsw) ist es ein präzises System mit klarer Logik. «Sogenannte OTDR-Messungen helfen uns, die Qualität und den Zustand von Glasfaserleitungen zu prüfen. Das ist zentral für ein zuverlässiges Netz», erklärt er. Für ihn sind die Plakate mehr als Arbeitsunterlagen. «So habe ich die Welt des Glasfasernetzes immer direkt vor Augen», sagt er und lacht. Das sei wichtig, da er mittlerweile weniger draussen unterwegs sei und mehr im Büro arbeite.
Seit dreieinhalb Jahren leitet Emin Basic das Ressort Leitungsprojekte Netz Telecom bei den sgsw. «Etwa 80 Prozent meiner Arbeit erledige ich im Büro, den Rest bin ich bei Kundinnen und Kunden oder auf Baustellen», sagt der 48-Jährige. «Diese Abwechslung schätze ich sehr an meiner Arbeit.» Basic und sein achtköpfiges Team planen und koordinieren auf dem gesamten Stadtgebiet Glasfaserleitungen bis in die Wohnungen und Häuser. Sie projektieren sowohl Neuanschlüsse für Gebäude als auch Abbrüche und Anpassungen. Das heisst: Wenn beispielsweise ein Haus abgerissen oder umgebaut wird, werden entsprechende Glasfaseranschlüsse fachgerecht zurückgebaut, verlegt oder neu konzipiert. Hierfür müssen Informationen zusammengeführt, Daten ausgetauscht, Abhängigkeiten geklärt und Bauarbeiten begleitet werden. Dabei sind die unterschiedlichsten Partner involviert, von Bauleitungen über Elektroinstallationsfirmen bis hin zu Netzbetreibern. «Um sie alle rechtzeitig ins Boot zu holen, ist eine gute Kommunikation wichtig», betont er.
Glasfasern einziehen und spleissen
Zwei Mitarbeiter einer solchen Partnerfirma sind an diesem Tag im Osten der Stadt unterwegs. Für Basic eine gute Gelegenheit, den Projektverlauf vor Ort zu prüfen. Er schlüpft in seine Baustellen-Schuhe, schnappt sich seine gelb leuchtende Jacke und fährt in Richtung Guggeien. Vor Ort wird er herzlich begrüsst. Das Wetter ist mild, und die beiden Männer arbeiten gerade an einem offenen Schacht, wo neue Glasfasern eingezogen und gespleisst werden. Dies ist nötig, weil in unmittelbarer Nähe zwei Mehrfamilienhäuser entstehen.
Die Männer haben neben dem Schacht einen kleinen Tisch aufgebaut, darauf finden sich feine Werkzeuge und zwei Spleissgeräte, die in regelmässigen Abständen leise klicken. «Hier verbinden wir die Glasfasern miteinander», erklären sie und zeigen auf die hauchdünnen Stränge, die mit blossem Auge fast nicht zu erkennen sind. Beim Glasfaser-Spleissen werden zwei Fasern so präzise miteinander verschmolzen, dass ein durchgehender Lichtweg entsteht. Dafür werden die Enden gereinigt, exakt gebrochen und in einem Gerät millimetergenau ausgerichtet. Ein heisser Lichtbogen verbindet sie dauerhaft, und es entsteht eine stabile Leitung.
Basic verfolgt die Szene aufmerksam. «Als Fachpersonen machen sie einen super Job. Ich kontrolliere die beiden nicht, sondern erkundige mich nach dem Projektstand», sagt er und schmunzelt. Die Männer reinigen die Fasern, richten sie aus und lassen sie im Gerät verschmelzen. Jeder Handgriff sitzt. Der Prozess verlangt Präzision und Erfahrung. «Es ist beeindruckend, wie viel Feingefühl in jedem Schritt steckt», sagt er. «Und es freut mich, wie unsere Planung hier draussen Form annimmt.»
Das Glasfasernetz bildet die Grundlage für die stetig steigende Datenkommunikation und ist damit zentral für zahlreiche Massnahmen des städtischen Energiekonzepts 2050.
«Wir reden auch über anderes»
Basic kam nicht zufällig zur Glasfaser. Vor seiner Zeit bei der sgsw hatte der gelernte Elektroinstallateur mehrere Jahre für einen Telekom-Anbieter gearbeitet und dort vor allem Business-Anschlüsse betreut. Dies eröffnete ihm den Zugang zur Glasfaserwelt. Als das Thema 2008 in der Stadt St.Gallen an Bedeutung gewann, bewarb er sich bei den sgsw und wurde ins Team Netz Telecom aufgenommen, damals als Projektleiter. Im Laufe der Jahre bildete er sich weiter und übernahm im April 2022 die Leitung des Ressorts.
Die Kollegialität im Team schätzt er besonders. «Wir haben ein sehr angenehmes Klima und kommunizieren gut miteinander.» Um neun Uhr morgens gibt es meist einen gemeinsamen Kaffee. Das hat er eingeführt. «Es geht nicht nur um die Arbeit, wir reden auch über anderes», sagt der verheiratete Vater von drei Kindern. Seit er Ressortleiter ist, könne er jedoch nicht immer dabei sein, fügt er an, «aber mein Team hält daran fest – und das freut mich.» Die Kombination aus Führungsaufgaben, Projektbezug und dem Austausch mit Partnern mache seinen Alltag vielseitig und lebendig. Dazu kommt der Bereitschaftsdienst: sieben Tage die Woche, rund um die Uhr. «Bei Störungen müssen wir sofort reagieren können.» Das Fiber-to-Home-Netz betreue man zwar vor allem zu Bürozeiten, doch im Dark-Fiber-Bereich könne jederzeit ein Eingriff nötig werden. Dark Fiber ist eine eigene, passive Glasfaserverbindung zwischen zwei Standorten, deren Beleuchtung durch kundenseitige Systeme erfolgt.

Textalternative zum Bild: Seit 18 Jahren arbeitet Emin Basic bei den sgsw. - neues Fenster
Fokus auf Smart-Meter-Rollout
Viele sehen das Glasfasernetz bloss als Infrastruktur für eine schnelle Internetverbindung. Doch es ist weit mehr als das, weiss der Fachmann. Die Glasfaser bildet die Grundlage für die stetig steigende Datenkommunikation und ist damit zentral für zahlreiche Massnahmen des städtischen Energiekonzepts 2050 (siehe «5 Fragen an den Glasfaserspezialisten» neues Fenster). In St.Gallen sind mittlerweile 98 Prozent aller Liegenschaften an das Glasfasernetz angeschlossen, was etwa 11’500 Gebäuden entspricht.
Zurück in seinem Büro kümmert sich Basic um ein weiteres wichtiges Thema, den Smart Meter Rollout. Auch hier wird das Glasfasernetz für die Datenkommunikation verwendet. Der Rollout steht momentan im Fokus. «In diesem Winter erreichen wir den Peak», sagt er. Gemeinsam mit seinem Team sorgt Basic dafür, dass die benötigten Glasfaserleitungen zu den Standorten gelangen, an denen die neuen, kommunikationsfähigen Stromzähler ihre Daten abgeben. Die sogenannten Datenkonzentratoren sammeln diese Informationen ein und leiten sie verschlüsselt weiter. Bis Ende 2028 ersetzen die sgsw über 50’000 herkömmliche Stromzähler im Versorgungsgebiet und auch Wasser-, Gas- und Wärmezähler werden künftig digital gelesen. «All das funktioniert nur, weil das Glasfasernetz die nötige Datenkommunikation zuverlässig trägt», sagt Basic.
