Auch ohne ein passendes Dach für eine eigene Solaranlage können Einwohnende und Unternehmen aus St.Gallen Solarstrom beziehen: Über die Solar Community der St.Galler Stadtwerke lassen sich Solarstrom-Einheiten einfach online bestellen. So haben es auch die Goldschmied Gut AG sowie die VeloFlicki & FeiniVelos GmbH getan.
Auf dem Dach der St.Galler Kantonalbank-Halle der Olma Messen ist seit Anfang September 2024 eine neue Photovoltaik-Anlage in Betrieb. Diese umfasst 7’777 Einheiten und produziert jährlich rund 870’000 Kilowattstunden Solarstrom – genug, um den Jahresbedarf von etwa 225 Vier-Personen-Haushalten zu decken. Das Besondere an dieser Anlage ist: Es handelt sich um eine Community-Anlage der St.Galler Stadtwerke (sgsw). Das bedeutet: Einwohnerinnen und Einwohner sowie Unternehmen der Stadt St.Gallen können Einheiten davon erwerben. So können sie Solarstrom nutzen, auch wenn sie keine eigene Solaranlage besitzen. Bisher sind etwas mehr als 10 Prozent aller Einheiten verkauft worden.
Traditionsunternehmen setzt auf die Solar Community
Unter den ersten Käufern ist auch das traditionsreiche Goldschmied- und Uhrmacherunternehmen Gut AG. «Ich habe vor etwa zwei Jahren angefangen, mich intensiv mit PV-Anlagen zu beschäftigen», sagt Inhaber Daniel Gut. Damals liess er sich eine solche Anlage auf sein Eigenheim installieren. Bei seinem Geschäft, das sich mitten in der St.Galler Altstadt in einer denkmalgeschützten Liegenschaft befindet, sei etwas Ähnliches nicht möglich gewesen. «Eine Bekannte erzählte mir dann vom Angebot der sgsw, und ich war begeistert.» Zusammen mit seiner Frau Susanne und den beiden Söhnen Andreas und Lukas, die alle im Betrieb mitarbeiten, entschied er sich, in die nachhaltige Energiequelle zu investieren. «Als Unternehmer und Liegenschaftsbesitzer ist es wichtig, langfristig zu planen und dabei auch an die nachfolgenden Generationen zu denken», sagt der Goldschmied, der das Unternehmen bereits in vierter Generation führt und dessen Söhne mittlerweile auch Mitinhaber sind. Zudem wisse man nicht, wie sich der Strompreis in den nächsten 20 Jahren entwickle. «Ich gehe aber eher davon aus, dass es nicht günstiger wird», fügt Gut mit einem Augenzwinkern an. Er ist denn auch überzeugt: Die Investition in die grüne Energie werde sich künftig rechnen.
Sohn und Mitinhaber Andreas Gut, der als Uhrmacher diesen Bereich des Unternehmens abdeckt, findet das Angebot der sgsw «eine coole Sache». «Es ist ein lokales Projekt mit geringem Risiko, bei dem jeder und jede mitmachen kann», sagt er. Für das Goldschmied- und Uhrmacherunternehmen ist das Thema Nachhaltigkeit seit jeher von grosser Bedeutung. «Gold ist ein wertvoller Rohstoff, der sich gut wiederverwerten lässt», sagt Daniel Gut, «und der Goldschmied ist demnach wahrscheinlich der älteste Recycler, den es gibt.» Auch bei der Uhrmacherei wird die Wiederverwertung der verschiedensten Teile grossgeschrieben, da die Gut AG Uhren hauptsächlich repariert und nicht selbst produziert. Ausserdem trägt die Langlebigkeit qualitativ hochstehender Uhren von durchschnittlich 30 Jahren viel zur Nachhaltigkeit bei. «Unsere Hauptenergiequelle im täglichen Betrieb ist der Strom», sagt der Unternehmer. «Diesen versuchen wir nun grösstenteils durch die Energie aus den Einheiten der Solar Community zu ersetzen.»
Es ist ein lokales Projekt mit geringem Risiko, bei dem jeder und jede mitmachen kann.
Bereits die vierte Community-Anlage
Die neue Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der St.Galler Kantonalbank-Halle der Olma Messen ist bereits die vierte Community-Anlage der sgsw in der Stadt St. Gallen. Die erste ging im Juni 2020 mit 3’333 Einheiten auf der Eishalle Lerchenfeld in Betrieb. Drei Jahre später folgte die zweite mit 555 Einheiten auf der Fernwärmezentrale Lukasmühle, und seit dem 1. Juli 2023 produziert eine dritte Gemeinschaftsanlage mit 1’111 Einheiten auf dem Oberstufenschulhaus Zil Solarstrom für die Community. Das Angebot ist beliebt: Rund 1’500 Personen nutzen bereits Solarstrom aus einer Community-Anlage der sgsw, und bis auf wenige Einheiten auf dem Oberstufenschulhaus Zil sind alle Einheiten der bisherigen drei Anlagen ausverkauft. Die Kundinnen und Kunden können wählen, wie viele Einheiten sie erwerben möchten, und für einen einmaligen Betrag schreiben ihnen die sgsw dann für die Dauer von bis zu 20 Jahren jährlich 100 Kilowattstunden Solarstrom auf der Stromrechnung gut. Das Engagement für die Solar Community ist ein wichtiger Schritt in eine nachhaltige Energiezukunft im Sinne des städtischen Energiekonzepts 2050.
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Nachhaltigkeit als Lebenseinstellung
Sandy Stadelmann und Steff Signer von der VeloFlicki sind schon seit längerem Teil der Solar Community. Das Paar wohnt privat zur Miete und hat vor gut vier Jahren erste Einheiten der sgsw auf dem Dach der Eishalle Lerchenfeld erworben. Mittlerweile haben die beiden auch für ihre Velowerkstatt an der Wassergasse 13 Solarstrom-Einheiten gekauft, und zwar von der PV-Anlage auf dem Dach des Oberstufenschulhauses Zil. «Wir alle brauchen Strom», sagt Steff Signer, «umso wichtiger ist es, dass er nachhaltig und möglichst ressourcenschonend produziert wird.» Das Angebot der sgsw haben sie noch so gerne genutzt. «Uns ist wichtig, in das zu investieren, was die ökologische Stromversorgung fördert.» Bei der Solar Community schätzen sie vor allem die lange Zeitspanne von bis zu 20 Jahren und die Möglichkeit, bei einem Wohnortwechsel die Einheiten weitergeben, verschenken oder an die sgsw zurückgeben zu können.
Für Sandy Stadelmann und Steff Signer ist Nachhaltigkeit nicht bloss ein Trend, sondern eine Lebenseinstellung – sowohl privat als auch bei ihrer Arbeit in der VeloFlicki. In ihrer Werkstatt finden sich Ersatzteile für nahezu jedes Veloteil. «Wir versuchen möglichst vieles, was noch funktioniert, weiter zu verwerten», sagen die beiden. Das reicht von Schrauben und Reifen über Sättel und Pedalen bis hin zu Verpackungsmaterialien und Kartonschachteln, in denen die Teile jeweils geliefert werden. Steff Signer repariert nicht nur kaputte Zweiräder, sondern verkauft auch neue – einige davon baut er nach Wunsch der Kunden auf. Das Einzige, was in der VeloFlicki Tabu ist, sind E-Bikes. Das ist bereits auf der Eingangstür zu lesen. Dort steht in grossen Buchstaben geschrieben: No E-Bikes. «Elektromobilität ist für uns nicht interessant», begründet der Velomechaniker seinen Entscheid. «Wenn wir ressourcenschonender produzieren wollen, müssen wir verstärkt reduzieren, wiederverwenden und recyceln, anstatt andere Ressourcen zu verbrauchen und zu verbrennen.» Sandy Stadelmann und Steff Signer sind praktisch jeden Tag mit dem Velo oder den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. «Ein Fahrzeug mit Motor haben wir noch nie besessen», sagen sie, und das soll auch in Zukunft so bleiben.
Uns ist wichtig, in das zu investieren, was die ökologische Stromversorgung fördert.
Einmal bezahlen, jahrelang profitieren
Möchten auch Sie Teil der St.Galler Solar Community werden? So funktioniert es: Über das Bestellportal auf www.sgsw.ch/community neues Fenster können Kundinnen und Kunden der St.Galler Stadtwerke eine oder mehrere Einheiten auswählen und bestellen. Für einen einmaligen Beitrag schreiben die sgsw für eine Dauer von bis zu 20 Jahren jährlich 100 Kilowattstunden Solarstrom auf der Stromrechnung gut. Bis zur Inbetriebnahme der Anlage kostet eine Einheit 300 Franken. Danach reduziert sich der Preis pro Einheit monatlich um 1.25 Franken.

