Wie bleiben Strompreise im Rahmen des Mantelerlasses fair und nachvollziehbar? Kastrijot Ahmedi erklärt, wie sich das neue Bundesgesetz auf die Datenauswertung, aufgeschlüsselte Tarife und den Smart Meter Rollout auswirkt. Sein präziser Umgang mit grossen Datenmengen und seine Affinität für Zahlen unterstützen das Team dabei, ein effizient geführtes Netz sicherzustellen.
Woran arbeiten Sie im Moment besonders intensiv?
Zurzeit beschäftigen wir uns vor allem mit den neuen Messtarifen, also den Gebühren rund um den Stromzähler. Diese Tarife decken die Messung und Bereitstellung der Verbrauchsdaten ab – nicht den Strom selbst. Wir dokumentieren sie, integrieren sie in unsere Systeme und richten die entsprechenden Kostenträger ein. So ermöglichen wir korrekte Abrechnungen. Parallel dazu begleite ich die Kostenkontrolle grosser Projekte. Dazu gehört der flächendeckende Wechsel zu digitalen Stromzählern, dem sogenannten «Smart Meter Rollout» neues Fenster, und die Verstärkung des Elektrizitätsnetzes in der ersten Etappe von 2025 bis 2030. Wichtig ist, dass wir die finanziellen Abläufe transparent führen und jederzeit den aktuellen Stand der budgetierten und angefallenen Kosten belegen können. Ausserdem erstelle ich gesetzliche Berichte für bundesweite Stellen und unterstütze die Betriebsleitung in Wittenbach bei Netz- und Energiethemen.
Der Mantelerlass ist ein neues Bundesgesetz für den Strommarkt, das Regeln zu Tarifen, Kosten, Messungen und erneuerbaren Energien festlegt. Was verändert der Mantelerlass konkret in Ihrer täglichen Arbeit?
Der «Mantelerlass» ist das neue Stromgesetz der Schweiz. Es bündelt verschiedene Anpassungen im Energie- und Stromversorgungsrecht, um den Ausbau der inländischen erneuerbaren Produktion aus Wasser, Sonne und Wind zu beschleunigen, Verfahren zu vereinfachen und das Netz auf die künftigen Anforderungen auszurichten. Das übergeordnete Ziel ist eine sichere, klimaverträgliche Stromversorgung mit mehr Winterstrom und höherer Effizienz. Das Gesetz wurde am 9. Juni 2024 vom Stimmvolk angenommen und seither schrittweise in Verordnungen konkretisiert.
Die Anforderungen des Bundes verlangen viel Denkarbeit und innovative Lösungen. Bei der Umsetzung leisten wir Pionierarbeit, weil die Umstellung in der Schweiz noch am Anfang steht. Das motiviert uns. Im Team entwickeln wir neue Ansätze für Messtarife, Transparenzvorgaben und Kostenzuordnungen, prüfen Prozesse und passen sie bei Bedarf an. Der Mantelerlass betrifft alle Bereiche der Netzwirtschaft. Unser Ziel ist es, die Vorgaben nicht nur gesetzeskonform umzusetzen, sondern verständlich in den Alltag zu integrieren. Beispielsweise wollen wir künftig die Netznutzungskosten und die Messkosten separat ausweisen. So sehen Kundinnen und Kunden klar, welcher Teil ihres Strompreises fürs Netz und welcher für die Messung anfällt.
Wie stellen Sie sicher, dass Stromtarife fair und verständlich bleiben?
Unsere Tarifberechnungen folgen seit vielen Jahren derselben Methodik. Diese Kontinuität macht Preise vergleichbar und schafft Vertrauen. Wir arbeiten mit validierten Datensätzen aus unseren Systemen, führen Plausibilitätskontrollen durch und wenden ein Vier-Augen-Prinzip an, damit jede Berechnung überprüfbar bleibt. Rechtsgrundlagen wie das Stromversorgungsgesetz, die Verordnung und die Vorgaben der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) definieren den Aufbau der Tarife. Grundsätzlich bestehen sie aus vier Bestandteilen: Netznutzung, Energie, dem Messtarif und den öffentlichen Abgaben. Diese klare Struktur hilft der Bevölkerung zu verstehen, wie sich der Strompreis zusammensetzt, welchen Anteil wir beeinflussen können und wie wir mit nachvollziehbaren Regeln Fairness gewährleisten.
Unser Ziel ist es, Vorgaben nicht nur gesetzeskonform umzusetzen, sondern verständlich in den Alltag zu integrieren.
Smart Meter sind digitale Stromzähler, die Verbrauchsdaten automatisch erfassen und genauere Messungen sowie effizientere Netzplanung ermöglichen. Die Markteinführung läuft unter dem Etikett «Smart Meter Rollout». Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus?
Die Kundschaft erhält mehr Einblick, weil der Verbrauch in der Regel bereits am Folgetag vorliegt. Dies führt zu verständlicheren Abrechnungen und unterstützt einen bewussteren Umgang mit Energie. Die Kundinnen und Kunden sehen beispielsweise direkt, wenn sich ihr Stromverbrauch merklich verändert und können so Rückschlüsse auf allfällige Stromfresser ziehen. In St.Gallen installieren und überwachen Fachleute rund 60'000 Zähler. Die Smart Meter liefern künftig 15-Minuten-Werte, verbessern Prognosen und Analysen und schaffen die Basis für flexible Tarife, Lastverschiebung sowie digitale Services für Photovoltaik, Speicher, Elektromobilität und Wärmepumpen.
Was bedeutet Nachhaltigkeit in Ihrem Fachgebiet?
Seit 2022 arbeitet Kastrijot Ahmedi bei den St.Galler Stadtwerken. Er startete im Energiedatenmanagement, wo er sein Zahlenflair praxisnah weiterentwickelte. Seit April 2025 ist er Fachspezialist Netzwirtschaft und verantwortlich für Tarife, Messtarife, gesetzliche Reportings und die Kostenkontrolle grosser Projekte. Mit Leidenschaft bereitet er komplexe Daten verständlich auf, um daraus Handlungsgrundlagen abzuleiten. Kastrijot Ahmedi ist gelernter Elektroinstallateur EFZ, hat die HFS-Elektrotechnik abgeschlossen und den MAS in Elektrischen Energiesystemen erworben. Den Ausgleich zur Kopfarbeit findet er im regelmässigen Training und in der Familie. Er lebt in Diepoldsau, ist verheiratet und zweifacher Vater.
Nachhaltigkeit heisst, das Stromnetz effizient zu führen und Ressourcen zu schonen. Präzise Messdaten zeigen, wo Strom entsteht und wohin er fliesst. So können wir Photovoltaik und dezentrale Anlagen sicher integrieren und das Netz nur dort ausbauen, wo es wirklich nötig ist. Wer seinen Verbrauch kennt, handelt bewusster und entlastet das Netz. Jede Kilowattstunde, die wir gezielt steuern, spart langfristig Ressourcen und Kosten. Datenbasierte Entscheidungen halten die Infrastruktur zuverlässig, wirtschaftlich und klimafreundlich und treiben die Energiewende entsprechend voran.
