Bis Ende 2028 ersetzen die St.Galler Stadtwerke mehr als 50'000 herkömmliche Stromzähler durch moderne Smart Meter. Das Projekt ist auf Kurs, wie Projektleiter Cristian Berchtold bestätigt. Die neuen Geräte liefern wichtige Daten für ein intelligentes Stromnetz und sind damit ein zentraler Baustein für die Energiezukunft der Stadt St.Gallen.
Seit eineinhalb Jahren läuft das Projekt Smart Meter Rollout. Wie ist der aktuelle Stand?
Im Moment haben die St.Galler Stadtwerke (sgsw) rund 40 Prozent aller Stromzähler, die ausgetauscht werden müssen, ersetzt. Dies entspricht etwa 23’000 Geräten. Damit liegen wir sehr gut im Zeitplan – und wenn es so weiterläuft, werden wir die gesetzliche Vorgabe nicht nur erreichen, sondern voraussichtlich übertreffen. Diese schreibt vor, dass bis Ende 2027 rund 80 Prozent der Zähler ausgewechselt sein müssen.
Wir haben rund 23’000 Zähler ersetzt und liegen damit sehr gut im Zeitplan.
Vor den eigentlichen Installationsarbeiten Anfang 2025 wurden in einem Pilotgebiet 500 intelligente Stromzähler eingebaut. Welche Erfahrungen konnten Sie und Ihr Team daraus für die flächendeckende Einführung sammeln?
Das Pilotgebiet war für uns ein wichtiger Praxistest. Viele Abläufe waren bereits digital unterstützt – doch im Alltag zeigte sich rasch, wo noch Feinjustierungen nötig waren. Besonders deutlich wurde das bei der Plattform für externe Installationsfirmen. Die Monteure führen den Auftrag für den Zählerwechsel direkt über eine mobile Lösung auf dem Handy aus. Dabei fehlten zunächst Prozesse für Situationen, die im Alltag durchaus vorkommen – etwa wenn eine Kundin oder ein Kunde kurzfristig keine Zeit hat und der Auftrag wieder zurückgegeben werden muss. Oder wenn vor Ort Mängel festgestellt werden und der Zähler deshalb nicht installiert werden kann. Dank des Pilotprojekts konnten solche Probleme analysiert und entsprechende Prozesse angepasst werden. Im ersten Halbjahr 2025 haben wir die Lösung dann in grösserem Massstab erprobt. Ziel war es, die Abläufe so stabil und effizient zu machen, dass wir bei der flächendeckenden Umsetzung deutlich schneller arbeiten können. Und natürlich lernen wir weiterhin dazu und optimieren die Systeme laufend.
Was sind die Erfolge, was die Herausforderungen?
Ein grosser Erfolg ist sicher, dass der Rollout inzwischen stabil läuft. Wir haben rund 23’000 Zähler ersetzt, und bei weniger als einem Prozent der Installationen treten Probleme auf. Das zeigt, dass die Prozesse im Alltag gut funktionieren. Die grösste Herausforderung bisher lag in der Umstellung selbst. Jahrzehnte lang wurde der Zählerwechsel mit Papier organisiert, plötzlich sollte alles digital ablaufen. Vieles war anfangs noch theoretisch und musste sich im täglichen Betrieb bewähren. Eine Herausforderung bleibt auch der Datenschutz. Wir testen unsere Systeme intensiv, etwa mit externen Spezialisten, die unsere Infrastruktur auf Sicherheitslücken prüfen.
Weshalb ist der Smart Meter Rollout wichtig?
Cristian Berchtold startete seine berufliche Karriere mit einer Ausbildung als Elektriker. Nach rund zwölf Jahren in der Privatwirtschaft wechselte er zu den sgsw, wo er zunächst im Bereich Zählerinstallationen arbeitete. Parallel dazu bildete er sich weiter und schloss die Studiengänge zum HF-Elektrotechniker und NDS-Betriebswirtschafter erfolgreich ab. Nach eineinhalb Jahren im Metering wechselte er in ein Ingenieurbüro und betreute dort Gemeinden bei der Planung und Umsetzung von Smart Meter Rollouts. Seit Juni 2024 arbeitet er wieder bei den sgsw. Cristian Berchtold ist 48 Jahre alt und lebt in Steinach. Er besitzt eine Berufspilotenlizenz für Helikopter und engagiert sich seit fast 25 Jahren in seiner Freizeit bei der Feuerwehr der Stadt St. Gallen.
Das Projekt ist aus mehreren Gründen wichtig. Zum einen gibt es klare Vorgaben vom Bund. Vor allem aber liefern Smart Meter erstmals die Daten, die wir brauchen, um das Stromnetz wirklich zu verstehen und künftig auch intelligent steuern zu können. Wenn wir nicht wissen, welche Ströme wo im Netz fliessen, können wir auch kaum entscheiden, ob und wo Leitungen verstärkt werden müssen. Das aber wird immer wichtiger, weil der Stromverbrauch durch Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen oder Ladestationen für Elektroautos weiter zunimmt. Gleichzeitig ist das Projekt Teil des städtischen Energiekonzepts 2025. Mit den neuen Zählern legen wir die Basis für ein flexibles und gut gesteuertes Netz. Dazu gehören auch neue Modelle wie lokale Elektrizitätsgemeinschaften oder dynamische Strompreise.
Wie geht es nun weiter?
Wenn alles nach Plan läuft, werden wir im Verlauf dieses Jahres die Hälfte der Zähler ausgetauscht haben. Unser Ziel ist es, bis Ende Jahr bei rund 70 Prozent zu liegen. Bis Ende 2028 wollen wir dann alle Zähler ersetzt haben. Parallel dazu bauen wir die nötige Kommunikationsinfrastruktur weiter aus, also die Verbindung zwischen den Zählern und unseren Systemen. Beim Smart Meter Rollout geht es ja nicht nur um den Zähler selbst, sondern um das ganze digitale Zusammenspiel dahinter, das funktionieren muss.
