Durch den 1,3 Kilometer langen Rosenbergstollen verlaufen unterirdische Leitungen der St.Galler Wasserversorgung. Fachleute der St.Galler Stadtwerke teilen auf Führungen ihr Wissen mit der Bevölkerung und zeigen, wie der Wassertransport und die Verteilung in die Haushalte funktionieren.
Donnerstagvormittag, Treffpunkt Blumenbergplatz gegenüber dem Konzertlokal Palace. Hanspeter Speck, Ressortleiter Netzbetrieb bei den St.Galler Stadtwerken (sgsw), begrüsst rund zehn ehemalige Mitarbeitende einer Ostschweizer Stiftung. Für ihr jährliches Pensioniertentreffen hat die Gruppe eine Führung durch den Rosenbergstollen gebucht: Vom Pumpwerk Blumenbergplatz durch den Stollen bis zum Ausstieg im Hätterenwald erhalten die Teilnehmenden Informationen rund um die St.Galler Wasserversorgung.
Vom See in die Stadt
Als Erstes erläutert Hanspeter Speck, wie das Wasser vom Bodensee in die Stadt gelangt. Zwei Leitungen stellen den Wassertransport sicher: Die eine Leitung führt vom Seewasserwerk Frasnacht zum Blumenberg St.Gallen, die zweite Leitung verläuft zwischen dem Gebiet Bruggmühle in Goldach der Autobahn entlang bis zur Zil-Kreuzung in St.Gallen Neudorf. Im Notfall könnten die sgsw ausserdem auf die Seewasserwerke Arbon und Rorschach zurückgreifen, ergänzt Hanspeter Speck. Der Ressortleiter Netzbetrieb arbeitet seit 24 Jahren bei den sgsw und ist für den Netzbetrieb, die Anlagen und den Unterhalt im Bereich Wasser, Gas, Wärme verantwortlich. Mit Reservoirs, Pumpstationen, Fernwärme und Netz kennt er sich aus – und sein Fachwissen teilt er anschaulich und unterhaltsam an Führungen durch Stollen, Reservoirs oder Gasstationen. Unter den Besuchergruppen sind Schulklassen – zum Beispiel angehende Sanitärinstallateure der Gewerbeschule –, Firmen, Stadt- oder Gemeinderatsmitglieder, Pensionierte sowie private Kleingruppen. «Mir gefällt die Abwechslung, welche die Führungen mit sich bringen. Jeder Rundgang ist anders und je nach Interessen der Teilnehmenden setze ich unterschiedliche Schwerpunkte. Ich gehe auch gerne auf individuelle Fragen ein», so Hanspeter Speck.
Lage der Stadt ist herausfordernd
Nun geht es hinunter ins Pumpwerk Blumenbergplatz. Die Pensioniertengruppe lauscht gebannt den Schilderungen von Hanspeter Speck, wie das Wasser aus dem Bodensee auf rund 60 Meter Tiefe entnommen und danach im Seewasserwerk Frasnacht aufbereitet wird neues Fenster. Vom Seewasserwerk verteilt die Regionale Wasserversorgung St.Gallen AG (RWSG) das Trinkwasser über ein Leitungsnetz an ihre zwölf Partner, zu denen auch die Stadt St.Gallen gehört. Die Geschäftsführung und Betriebsführung der RWSG liegt bei den St.Galler Stadtwerken. «Die Stadtwerke stellen sicher, dass täglich genügend Wasser mit ausreichendem Druck in der besten Qualität zur Verfügung steht», führt Speck aus. Die Pumpwerke transportieren Wasser entgegen der Schwerkraft von einer tieferen auf eine höhere Ebene. Hanspeter Speck beschreibt, weshalb die längliche Form und die Lage St.Gallens mit der Tal- und den unterschiedlichen Höhenzonen für die Wasserversorgung besonders herausfordernd ist: «Die städtische Besiedelung auf einem langgestreckten Gebiet und der Druckunterschied aufgrund des grossen Höhenunterschieds zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt in St.Gallen machen es besonders aufwendig, das Wasser mit dem optimalen Druck in die Haushalte zu liefern.»
Wasserspender Bodensee: Ein Privileg
Die Bevölkerung in der Stadt St.Gallen verbraucht im Durchschnitt etwa 20’000 Kubikmeter am Tag neues Fenster, das sind rund 250 Liter pro Kopf – berücksichtigt ist dabei auch der Verbrauch von Industrie und Gewerbe. «Stellt denn der Bodensee stets genügend Wasser für diese grosse Nachfrage bereit?», will eine Besucherin wissen. Hanspeter Speck weist auf das Privileg des Bodensees als nie versiegender Wasserspender hin: Die gesamte Wassermenge, die alle Seewasserwerke rund um den See pro Tag benötigen, fliesse durch den Rhein innert einer halben Stunde wieder in den Bodensee. Der starke Zulauf, der nicht selbstverständlich sei, sorge für eine gute Durchmischung und einen hohen Sauerstoffgehalt des Wassers und mache die hervorragende Qualität des St.Gallers Trinkwasser neues Fenster aus. «Expertinnen und Experten der sgsw kontrollieren zudem mit Laboranalysen regelmässig die Trinkwasserwerte. Falls ein Wert nicht den Vorgaben entspricht, wird ein Alarm ausgelöst.»
Wendeltreppe mit 250 Stufen führt in den Stollen
Vom Pumpwerk windet sich eine 50 Meter lange Wendeltreppe in die Tiefe. Rund 250 Treppenstufen später – dem Hinweis auf gutes Schuhwerk sei Dank – steht die Gruppe am Anfang des Rosenbergstollens. Dieser wurde im Jahr 1995 mit einer Tunnelbohrmaschine ausgehoben, seit 1997 ist er in Betrieb. Der beleuchtete Stollen ist erstaunlich geräumig und die Luft frischer als erwartet – kein sich Ducken in modrigen Tiefen. Farbige Lichter weisen den Weg zu Infotafeln, welche an mehreren Etappen im Tunnel angebracht sind. Das bunte Lichtspiel aus lila, grün, blau oder rot hellt den betongrauen Tunnel auf und fast geht vergessen, dass man sich mehrere Hundert Meter unter der Erdoberfläche befindet. Anfangs sind es rund 235 Meter unter der Erde; die Zahl zur «Stollen-Überdeckung» ist jeweils auf den Infotafeln vermerkt. Auch die Distanz zu Ein- und Ausstieg des Tunnels sowie der genaue Standort über dem Erdboden in der Stadt sind den Tafeln zu entnehmen. Beim roten Licht beispielsweise steht man direkt unter der Autobahnausfahrt Kreuzbleiche – noch 149 Meter unter Boden.
Der Kontakt mit der Bevölkerung ist sehr wertvoll, schliesslich steht unsere Arbeit in ihrem Dienst.
1,3 Kilometer durch unterirdische Wasserversorgung
Die St.Galler Stadtwerke bieten Führungen im Rosenbergstollen, der Netzleitstelle, der Fernwärmezentrale Au und im Seewasserwerk Frasnacht an. Fachpersonen der St.Galler Stadtwerke vermitteln dabei Einblicke in die Wasser-, Netz- oder Fernwärmeversorgung der Stadt St.Gallen. Voraussetzung für eine Führung ist eine Gruppe von mindestens fünf Personen. Die Führungen können über die Website unter dem Menüpunkt «Über uns» neues Fenster angefragt werden.
Es ist kühl hier unten – und ruhig. Vom Rauschen des Wassers, das durch das breite schwarze Rohr am Rand des Stollens fliesst, ist nichts zu hören. «Damit das Material weniger abgenutzt und weniger Energie verbraucht wird, fliesst das Wasser relativ langsam. Deshalb ist es so ruhig», erklärt Hanspeter Speck. Er nutzt die Führungen durch den Stollen gleichzeitig als Kontrollgang: Funktionieren alle Lichter? Zirkuliert die Luft ausreichend? Gibt es undichte Stellen an der Stollenwand? Liegt Abfall am Boden oder hat jemand während einer Führung etwas verloren?
Nach 1,3 Kilometern und etwa zwanzig Minuten gleichmässigem Gehen durch das Bauwerk – die Steigung von 4 Prozent ist kaum spürbar – ist die Gruppe bei der Ausstiegstüre angelangt. «Ist niemand falsch abgebogen?», fragt Speck schmunzelnd in die Runde. Nach ein paar letzten Fakten und Kennzahlen zum Stollen treten die Teilnehmenden wieder ans Tageslicht im Hätterenwald.
Hanspeter Speck beantwortet noch eine Frage und verabschiedet sich dann von der Besuchergruppe. Dem langjährigen Mitarbeiter der sgsw bereitet der Austausch sichtlich Freude: «Der Kontakt mit der Bevölkerung ist sehr wertvoll, schliesslich steht unsere Arbeit in ihrem Dienst.»
